*

 

Im Jahr 2007 besuchte ich Michael  Kramer in Deutschland, und durfte an einer seiner Vorlesungen als Zuhörer/Betrachter teilhaben. Ich erlebte eine wunderbare Öffnung in meinem Herzen. Es fühlte sich so an, als ob die Sonne ihre warmen Strahlen in den Raum schickte, und durch seine Gedichte fühlte ich mich verstanden. Ich war so dankbar, dass Michael sich selbst als Geschenk uns so frei gab. Er berührte mich in meiner Seele so stark, dass ich mit Michael anfing Gedichte auszutauschen und zusammen per Mail Gedichte zu schreiben.

Michael hat viele verschiedene Botschaften für uns Menschen. Er schreibt sehr authentisch und wahrhaftig, seine Sprache klingt wie Musik, die sanft über die Haut streicheln und uns auch unter der Haut berühren kann, wenn wir es zulassen. Er hat die Fähigkeit mit der Sprache zu malen, und uns Menschen dort zu erreichen, wo wir auch sprachlos sind. Und er macht das mit Charme!

Ich fragte Michael  nach seiner Vorlesung ganz schnell und spontan, wann er zu uns in die Schweiz kommt, er lachte und sagte: „Es ist eine gute Idee, schauen wir mal…“

und

Ich habe mich so gefreut, dass Michael Kramer  zu uns kam, in Begleitung von seinen Freunden: Andreas  Benner (Photograph) und  Nihan Köroglu (Tanzimprovisation

Mit dabei waren auch   :

Charles Lötscher -  Hangmusik

Marianne Spörri & Mirjam Lehmann–Tanz

 

Gerne möchte ich mit euch diesen berührenden Anlass teilen- mit Texten und Fotos. 

Viel Freude!

 

*Schweibwerkstatt nach Anfrage kann organisiert werden.

 

 

 

 

Sehnsucht

 

Wenn ich Dir

Geliebte,

Sehnsucht meines Herzens

Begegne,

Perle im inneren Tempel meines Wesens,

entstehen Bilder, Gefühle,

die mich tief berühren.

Sie führen in das Land ohne Worte,

Sein`^^^

mit mir,

mit Dir.

 

Wellen der Musik,

Begegnungen,

Zeichnungen meiner Träume

erleben den Tanz meiner Seele.

Dich,

Geliebte,

Sehnsucht meines Herzens,

trage ich mit auf meiner Reise,

als Zeichen meiner Wahrheit.

 

Mirjam

 

Michael antwortet:

 

In meinem Auge

formte sich

aus dem Herzen der Zeit

gesalzen durch  deiner Sehnsucht

eine Träne.

 

Sie fiel ohne Willen

in deine Hand

und rann als Fluss klein

in das Auge

meines Engels

zu Boden.

 

Ich küsste

deine Hand

und trank

das Salz der Erde.

 

Du trankst

aus meinem Blick

und ich küsste

die Zeit auf den Mund.

 

 

 

Mond

 

Wenn der Mond-

leise

durch mein Seelenfenster

atmet -

sieht er, wie sich die Knospen

in meinem Frühling angeregt spreizen,

zarte Blüten öffnen sich,

duften in seiner Aura,

erfreuen mein Sein,

ein Hauch von Liebe und Anmut,

erinnert mich an  süßen Küssen-

Süßer als Wein!

feiner Duft erfreut das Lied meines Herzens,

Und die Wüstenrose leuchtet zu dir

teurer Geliebter, Mond,

Granatapfel meiner Träume

erweck meine kostbarste Liebe zu dir,

beflügle mich mit deiner Zärtlichkeit,

gib mir deine  Hand,

stille den Durst meiner Sehnsucht,

nimm mich mit zur Quelle,

dorthin wo die Wurzeln und die Kronen

in einem  zuhause sind,

dorthin wo Frieden und Sein auf mich warten,

dorthin wo das Geben und Nehmen gleichzeitig geschehen,

in das Land von Milch und Honig,

wo Feigen und Rosen befruchten meine Seelen und  Geist!

 

Wenn der Mond leise durch mein Seelenfenster atmet,

belebt er diesen Raum.

 

Mirjam

 

 

Lass mich ein Stern sein

 

Lass mich ein Stern

in deinem Leben sein

der den Gräsern lauscht

den Bildern der träumenden Vögel folgt

nichts ausleuchtet

nichts will

Stille auf Stille folgen lässt

 

und hinter Nebel und Worte

unverhofft zeichnet

einen Traum aus Licht

unerreichbar für die Zeit.

 

Lass mich ein Stern in deinem Leben sein

der im Osten aufgeht

und wandert mit dem Ruf des Frühlings

und wandert mit dem Schweigen des Winters

an Orte die heimatlos und niemals einsilbig.

 

Lass mich ein Stern in deinem Leben sein

der leuchtet für die Stillen und

die hungrigen Seelen nach Frieden.

 

Michael

 

 

 Dein Blick

 

Als dein  Blick

meinem Augenland erreichte...

wusste ich nicht

welchen Raum du betreten willst...

welches Tor werde ich dir öffnen...?

Als deine Stimme  mein Herz erreichte 

wusste ich nicht was diese Musik

bei mir bewirkt...

Als dein Licht meine Seele traf,

wurde es in mir still....

 

… so spricht dein Mund Zartheit 

umarmt mich in Gold und Rosen

ich bin berührt…

aus welchem Himmel pflückst du

solche Schönheit?

welcher Engel spricht zu dir?

 

Mirjam

 

Liebe oder Angst

 

Die Angst traf den Stolz

und baute eine unsichtbare Wand um sich.

Die Liebe traf den Stolz

entblößte und fand Schönheit.

 

Die Angst traf die Wut

und versteckte sich rasch irgendwo.

Die Liebe traf die Wut

und gab ihr Raum.

 

 

Die Angst traf den Schmerz

und lähmte.

Die Liebe traf den Schmerz

und umarmte ihn.

 

Die Angst traf die Einsamkeit

und zerstreute sie.

Die Liebe traf die Einsamkeit

und blieb.

 

Die Angst traf die Freiheit

und legte ihr Fesseln an.

Die Liebe traf die Freiheit

und schenkte ihr Flügel.

 

Die Angst traf die Liebe

und verschwand für diesen Augenblick.

Die Liebe traf die Angst

und brauchte sie nicht zu überzeugen.

 

Michael

 

Einmal mit deinen Augen…

 

Einmal…

mit deinen Augen

der Welt begegnen,

den Blick auf die Dinge legen,

die dich im Inneren berühren,

oder regungslos bleiben

vor verschlossenen Türen.

 

Einmal …

mit deinen Füßen

abtasten der Erde Grund

und suchen die verlorenen Wiesen

der Kindheit,

bis meine Füße wund.

 

Einmal…

mit deinen Lippen erzittern

das Wort

und zweifelnd hören,

ob es findet

 beheimateten Ort.

 

Einmal…

mit deiner Angst

die Grenzen des Weges abtasten,

mit Füßen und Händen,

blind erfühlen

wo er tut enden,

den Abgrund vor Augen

bezweifeln mein Glauben.

 

Einmal…

in deinen Augen untertauchen

hinab zur Quelle Vertrauen -

und schauen,

wie mein Bild ,

sich in deinem Blau freischwimmt,

und wie zärtlich deine Schönheit

über meine Finger rinnt.

 

Michael

 

Ich bleibe zurück

 

Das Leben fließt mit oder ohne uns

es wandelt sich

genügt sich selbst

in jedem Augenblick

bewahrt es die Ewigkeit.

 

Wir laufen vorbei

am Leben

an uns

wir der Zug nach Fahrplan

jeder Bahnhof eine Zwischenstation

ins schwindende Glück.

 

Ich bleibe stehen

bleibe zurück

lass mich abholen vom Tag

der sich nicht unterscheidet von tausenden

ein Tag geformt aus Licht und Grün

aus Himmel und Windgeflüster

das Bienensummen ein süßes Versprechen,

ein Tag, der sich aus der Stille

ins Leben ruft.

 

Ich bleibe zurück

mit der unergründeten Sprache

eines ausgelösten Tages

staunend am Rande

den Kern im Herzen.

 

Michael

 

Wer sonst als Ich                                                      

 

Wer kann mein Leben leben

ihm Sinn und Tiefe geben

ihm Kraft und Weichheit schenken

es fließend in die Weite lenken?

 

Wer sonst als ich

kann mein Leben fühlen

wenn Meereswellen mich umspülen

wenn kühler Herbstwind mich umweht

wenn Tränen meine Trauer kühlen

wenn einer meinen Schmerz versteht.

 

Wer sonst als ich

kann sich befreien

von dem was ich nicht bin

kann seiner Seele Flügel verleihen

und sein

was ich leise fühle in mir drin.

 

Sehnsuchtsland

 

Deine Worte noch ohne Klang

malten dich mir nah

bis in deinem dir eigenen Gesang

ich deine Schönheit sah.

 

Dein Lachen, dein Lebenstanz,

ein Land, das Frieden sich ersehnt,

ein Stern, der sucht der Erde Rand

und sich leuchtend neigt, zur offenen Hand.

 

Ich ließ dein Leuchten in mich ein,

die Hüllen ließ ich Hüllen sein,

ein Schritt genügte in dein Land,

das ich in meiner Sehnsucht

wieder fand.

 

Michael

 

Rehworte

 

Wörter

gereift im Herzen

steigen hinaus in den Raum

und legen sich leise

wie im Wind tanzende Samen

auf die Erdenhaut.

 

Wörter werden berühren

oder nicht-

ihr Sinn ist in der Stille erklungen-

 

kraftvoll und scheu

Rehworte aus dem Wald

in die Lichtung.

 

Michael

 

Das ganze Leben wollen

 

Das ganze Leben wollen

mit geschlossenen Augen durchqueren den Dschungel

den schmalen Pfad wählen

hungrig auf den Fremden, den Kolibri und die Schlange,

und fallen mit Flügeln und aufgeschlagenen Knien.

 

Das ganze Leben wollen

auf der Klinge des Schwertes die drei Fragen bewohnen

mit dem Engel um eine Antwort ringen

und fallen mit Flügeln

und ausgerenkter Hüfte.

 

Das ganze Leben wollen

das Laue meiden

dem Strom die Stirn bieten

auf keinem Maskenball tanzen

bereit sein für den Kampf

bereit sein für den Frieden

und dem  Wolf begegnen

ohne Waffe mit seiner Stärke

und fallen mit Flügeln

in den Schatten einer Linde.    

            

Michael

 

Meiner Hände Pflug

 

Was gestern noch galt

ist heute schon alt

keinen Handschlag wiegt das Wort

der Wind dreht das Rad

breit ist der Pfad

der uns führt von Ort zu Ort.

 

Und es bleibt nichts als das Wort

das am Anfang alles trug

und mir bleibt nichts als das Wort

meiner Hände Pflug.

 

Be-suche bei Vater

 

Wenn ich auf Besuch komme

überwiegt  die Stille,

das Wortrad dreht sich nur mühsam

in den windgeschützten Niederungen,

das Wortrad,

in dem sturmartig Geschichtsfetzen

hängen bleiben,

um einmal mehr erzählt zu werden.

 

Wenn ich auf Besuch komme,

ist es zu spät für die verlorene Zeit,

unwiederbringlich treibt sie

mit der Strömung

dem Meer der Erinnerung zu.

 

Wenn ich auf Besuch komme,

können nur noch aus meinem Munde

ersehnte Worte

Brücken schlagen

über die verlorene Zeit

mich und ihn trösten.

 

Wenn ich auf Besuch komme,

das letzte mal

mit Tränen und ohne Worte im Gepäck,

will ich ihn nicht suchen

im Nebel meiner Kindheit.

Auch weil ich weiß,

dass er die Wunde der Trennung,

bis zu letzt im Stillen getragen hat.

 

Michael

 

Rose Ausländer + 03.01.1988

 

Sie formte Wortinseln

überbrückte das Leergefischte Meer

zu muschellosen Ufern -

eine Stimme die sich beugte nach den Versunkenen

ihre Wurzeln der Wind in den Bäumen -

ein Gesang über die Felder der Toten

das Grab der Erinnerung.

Sie durchlebte mit Fingern wund

vom graben nach Worten

die unbeantworteten Fragen.

 

Sie durchwohnte im Wort

das Gewicht der Zeit

in der alles gesagt werden musste

in der es keine Träume mehr gab

nur noch das Leben

in der alles gesagt war

als ihr letztes Lebensblatt

zu den Sternen fiel

und ein Traum ihr Leben

zu Ende lebte.

 

(Und uns Deutschen eine Antwort gab,

um hoffnungsvoll weiterleben zu können.)

 

 

Mutter Erde und wir

 

Mutter Erde empfing uns

mit offenen Händen

 

mit zerbrechlichen Fingern

griffen wir nach dem Wunder

das uns überall entdeckte –

die weißen Mücken ohne Flügel – Schnee

der laufende Himmel – ziehende Wolken

vom Himmel losgelöste Sterne – Glühwürmchen.

 

Wir entwuchsen dem Wunder

und spielten weiter ein Spiel

wie unschuldige Kinder.

Wir suchten weiter das Glück

hinter verriegelter Tür und

an gedeckter Tafel.

 

Mutter Erde empfing uns mit offenen Händen

Mutter Erde zieht sich langsam zurück

unter unserer geballten Faust.

 

 

Wenn wir uns nicht Erde sind

 

Wir tragen

auf unserer Haut die Sehnsucht

in unseren Augen den Wunsch.

 

Wir halten in unseren Händen

die Nähe,

auf unseren Lippen den Kuss.

 

Wir, die Füße,

die verkümmern,

wenn wir uns

nicht Erde sind.           

 

Michael

 

Allein in der Liebe

 

Ich will sicher gehen, ohne Angst,

keinen Stolpersteinen ausweichen müssen –

ein Fluss gebettet in den Lauf der Sonne und des Mondes.

 

Ein Traum aus dem ich immer

und immer wieder gerissen werde.

Allein in der Sprache so viel Gewalt,

dass eine Welt zerbrechen kann.

Allein in der Liebe so viel.

 

Michael

 

Keine Wahl

 

 

Ich kann wählen

zu lieben

oder zu flüchten.

 

Egal wie viele Meilen

ich mich vom Ausgangspunkt entferne,

welches Versteck ich wähle,

 

bereits gewählt

hat mich die Liebe.

 

Michael

 

Tanzt das Leben

 

Tanzt das Leben mit all seinen Farben und Düften,

durchlebt das Schwere in euch,

beobachtet wie es sich wandelt,

allein durch die Betrachtung,

nichts ist gut, nichts ist schlecht, nichts ist umsonst,

was trägt geht nicht verloren. Alles kehrt wieder,

das Lachen,

das Geborgen sein,

der Schwindel des Glücks,

die Blüten der Freude,

die Sprache der Sonne,

das Schweigen der Bäume,

der Tod über den Wolken,....

 

nichts bleibt und alles kehrt wieder,

Heimat Erde,

Heimat Himmel,

Heimat Mensch,

Heimat Du

Heimat Ich.

 

Und wenn ihr heimatlos,

dann tanzt die Einsamkeit bis zum Rande voll

dann tanzt die Leere leer,

erschöpft sie

und euer Tanz wird Ausdruck

von Schönheit

und wo findet ihr Heimat,

wenn nicht in eurer Schönheit

 

Michael

 

Sehnsuchtsland

 

Deine Worte noch ohne Klang

malten dich mir nah

bis in deinem dir eigenen Gesang

ich deine Schönheit sah.

 

Dein Lachen, dein Lebenstanz,

ein Land, das Frieden sich ersehnt,

ein Stern, der sucht der Erde Rand

und sich leuchtend neigt, zur offenen Hand.

 

Ich ließ dein Leuchten in mich ein,

die Hüllen ließ ich Hüllen sein,

ein Schritt genügte in dein Land,

das ich in meiner Sehnsucht

wieder fand.

 

Michael

 

Als dein  Blick

meinem Augenland erreichte...

wusste ich nicht

welchen Raum du betreten willst...

welches Tor werde ich dir öffnen...?

Als deine Stimme  mein Herz erreichte 

wusste ich nicht was diese Musik

bei mir bewirkt...

Als dein Licht meine Seele traf,

wurde es in mir still....

 

… so spricht dein Mund Zartheit 

umarmt mich in Gold und Rosen

ich bin berührt…

aus welchem Himmel pflückst du

solche Schönheit?

welcher Engel spricht zu dir?

 

Mirjam